Zum Prospekt 200 Jahre Harms

Die ehemalige Landesbischöfin Margot Käßmann zum 200. Geburtstag Ludwig Harms’
beim Klosterempfang in Loccum 6.1.2008

“Das zweite Gedenken in unserer Landeskirche gilt 2008 Ludwig Harms, dessen 200. Geburtstag ansteht. Er wurde am 5. Mai 1808 in Walsrode geboren, mitten in eine un-ruhige Zeit hinein: Französische Besetzung, Industrialisierung, die deutsche Revolution 1848.

Nicht nur die Umbrüche im Inneren, sondern auch die Aufbrüche in die weite Welt bestimmten damals Deutschland. Von Europa aus breiteten sich Machtwille und Besitzgier über den ganzen Globus aus. Ludwig Harms wollte den Völkern der Welt das Beste bringen, was das christliche Abendland zu bieten hat: Das Evangelium von der Liebe Gottes. Als er 1849 in Hermannsburg ein Missionsseminar gründete, war das sein Traum: Diese Liebe den fremden Völkern in Wort und Tat so vorzuleben, dass sie davon innerlich erreicht und überzeugt würden. So entsandte er kleine Lebensgemeinschaften, die die Wahrheit christlicher Liebe ganzheitlich bezeugen sollten. Er war einer der ersten „global player“ in Niedersachsen, könnten wir sagen.

Am 12. Mai werden wir in seinem Geburtsort Walsrode einen Gottesdienst feiern, der im Rundfunk übertragen wird. Das Missionswerk in Hermannsburg wird das ganze Jubi-läumsjahr diverse Veranstaltungen anbieten. Geplant sind eine Kampagne unter dem Titel „Arbeit ist ein Menschenrecht – weltweit“ sowie ein Weltkugelbrunnen, der zum Gründungstag der Hermannsburger Mission im Zusammenhang mit einer internationalen Partnerschaftskonsultation im Oktober eingeweiht werden soll.

Auf seine Weise hat Ludwig Harms dazu beigetragen, dass unsere Landeskirche zu 19 Kirchen in 17 Ländern Partnerschaftsbeziehungen pflegt. Ich konnte die Missionsorte in Südafrika zum 150. Jubiläum und in Äthiopien zum 75. Jubiläum besuchen. Ja, vieles ist aufzuarbeiten und ich finde bemerkenswert, wie im vergangenen Jahr in Hermannsburg die eigene Rolle mit Blick auf Apartheid diskutiert wurde. Gleichzeitig bestaune ich den Mut von Ludwig Harms, Menschen damals in die weite Welt zu schicken, um das Evangelium weiter zu geben. Und ich bewundere den Mut, von Männern und Frauen, diesen Weg zu gehen unter zum Teil wahrhaftig schwierigsten Umständen.

Dass in Deutschland laut aktuellem Religionsmonitor der Bertelsmannstiftung 70 Pro-zent der Menschen religiös, ja jeder fünfte gar als „hochreligiös„ bezeichnet werden kann, ist erfreulich. Allerdings liegen wir weltweit gesehen damit an der unteren Skala. Die höchsten Raten werden gerade in Afrika erreicht. Mission ist daher sicher heute vor allem Mission im eigenen Land, wobei der Begriff „Mission“ oft diskreditiert erscheint. Worum es geht, ist, vom eigenen Glauben sprechen, die Botschaft von der Liebe Gottes weitergeben, wie Ludwig Harmes es wollte. Dazu müssen Christinnen und Christen bei uns neu Mut gewinnen.”

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